einen Monat ist es nun her, daß wir unseren Sohn Nicolai hergeben mußten und bei Freunden und Verwandten ist wieder der Alltag eingezogen. Anders bei uns. Wir sind immer noch unendlich traurig. Mein Mann zwingt sich zwar jeden Tag für einige Stunden in sein Büro und versucht seine Arbeit zu machen, aber das ganze funktioniert mehr schlecht als recht. Ich selbst habe das Gefühl, daß es bei mir eher schlechter als besser wird. Und das, obwohl wir eine Selbsthilfegruppe besuchen und ich an dem Rückbildungskurs "Leere Wiege" teilnehme.
Am meisten verletzen mich die Sprüche meiner Umwelt, auch wenn sie gutgemeint sind. "Ihr seid noch jung, Ihr könnt noch so viele Kinder haben" "Wie schlimm ist das erst, wenn das Kind schon älter war" etc.. Selbst meine eigene Mutter läßt mich durch die Blume wissen, daß ich mich zu sehr reinsteigere und festbeiße.
Ich hab im folgenden mal meine Gedanken und Gefühle aufgeschrieben. Am liebsten würde ich das ganze vervielfältigen und an die Menschen, die ich kenne, verteilen. Vielleicht verstehen sie mich dann etwas besser.
Die Wünsche einer Mutter
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, dass mein Sohn, auch wenn er noch sehr klein, ein richtiger, vollkommener Mensch war.
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, dass er, wie jeder andere Mensch auch, ein Recht auf Wertschätzung hat.
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, dass ich niemals vergessen kann.
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, dass mein Leben jetzt ein anderes ist, dass es das “Gestern” nie mehr geben wird.
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, dass jeder anders trauert und Trauer nicht nach einer vorgegebenen Zeit abgeschlossen sein kann.
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, wie sehr manche Eurer Aussagen mein Kind und mich beleidigen und verletzen.
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, warum Ihr Euch jeden Tag über Eure Kinder freuen und Euer Glück niemals als selbstverständlich betrachten solltet.
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, dass mein Schmerz niemals enden wird.
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, welche unendliche Liebe ich für meinen Sohn empfinde.
Ich wünschte, Ihr würdet verstehen, wie es ist, die Mutter eines toten Kindes zu sein.
Danke, daß man auf dieser Seite immer seine Gefühle äußern kann und Unterstützung bekommt.
Liebe und leise Grüße
Eure Susanne


