Es tut noch so sehr weh: Nur einer hat überlebt

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Es tut noch so sehr weh: Nur einer hat überlebt

Beitragvon Andrea75 » Dienstag 29. Juni 2010, 13:49

Hallo!
Ich habe lange nachgedacht, ob ich überhaupt in ein Forum gehen möchte, aber ich glaube, ich muss jetzt meine Geschichte loswerden.
Letztes Jahr wurden wir nach langer Zeit endlich schwanger. Umso größer war die Freude als es hieß: Da schlagen zwei Herzen. Ich habe mich total gefreut, da ich immer zwei Kinder wollte. Die ersten Wochen verliefen ohne Probleme. Keine Übelkeit, keine sonstiges Beschwerden. So hatte ich mir eine Schwangerschaft immer vorgestellt. Aber es sollte leider anders kommen. Am 14.04. bekam ich Blutungen und bin sofort mit meinem Mann zu Notaufnahme ins Krankenhaus. Dort wurde ich untersucht und man teile mir mit, dass ich eine Placenta Praevia habe und dadurch die Blutungen kommen. Es sei aber nicht schlimm und den Babies gehe es gut. Also wieder nach Hause und danach zur Kontrolle zum FA. Die Blutungen kamen und gingen, aber ansonsten war alles ok. Dann bekam ich schlimmere Blutungen und musste liegen. So lag ich dann ca. 1 Monat zu Hause. Ich durfte danach für 3 Tage in ein Wellnesshotel fahren, damit ich mich entspannen konnte. Aber auch das war mir nicht vergönnt. In der ersten Nacht dort bekam ich Blutungen und musste ins Krankenhaus und zur Beobachtung 2 Tage bleiben. Als ich endlich wieder nach Hause durfte, ging das Liegen weiter. Am 26.6. bekam ich dann wieder Blutungen und ging zur Notaufnahme. Dort sagte man mir, ich müsse zu Beobachtung 2 Tage bleiben. Aus den 2 Tagen sollten dann 4 Monate werden, da die Gefahr einer Frühgeburt zu groß war. Ich blieb also tapfer die ganze Zeit liegen. Mit den Würmern war bis dahin alles ok. Jeden Morgen CTG und danach wieder ins Zimmer. So vergingen die Tage. Dann kam der 19.07 und ich hatte ein komisches Gefühl. Ich rief die Schwester und mein Mann und ich fuhren zum CTG. Dort fand die Hebamme dann nur einen Wurm und als mein Lieblingsarzt (LA) vorbei kam und fragte, was ist, machte er sofort Ultraschall und alles war ok. Es sollte dann noch weiter das CTG geschrieben werden. 2 Minuten nachdem ich am CTG lag, kam die Hebamme rein und sagte: Der Oberarzt (OA) will sie nochmal sehen. Ich ging also brav mit und bekam ein Vaginalultraschall, worauf zu erkennen war, dass einer der beiden mich immer mit dem Fuß vor den Muttermund getreten hat. Der Arzt meinte dann: "Die wachsen und das tut halt weh" und schickte mich wieder weg. Ich lag daraufhin in meinem Zimmer und die Schmerzen wurden immer schlimmer. Als ich es nicht mehr aushalten konnte, holte mein Mann die Krankenschwester (KS). Die sagte, sie redet nochmal mit dem OA. Der kam dann rauf und meinte nur, dann legen wir eine Wärmflasche drauf und ging wieder. Natürlich bekam ich keine Wärmflasche, da die KS meinte, die löst Wehen aus und so lag ich weiter im Zimmer und es wurde immer schlimmer. Als ich es gar nicht mehr aushalten konnte, wußte ich, dass die beiden rauswollen. Mein Mann holt die KS und wir fuhren runter. Ich merkte, dass der Kleine rauswollte und konnte gar nicht mehr atmen durch die Schmerzen. Als ich im Kreißsaal ankam, begrüßte mich der OA mit den Worten: Was wollen Sie denn wieder hier? Ich sagte ihm, die Kinder kommen und er meinte nur: Quatsch, die kommen nicht. Ich taste mal den Muttermund. Als er das machte und die Hand wieder wegnahm, flutsche meine kleiner Prinz "Joshua" raus.Ich sah ihn noch zappeln und dann wurd er weggetragen. Mein Mann und mein LA waren auch dabei und Fassungslos. Der OA meinte daraufhin, jetzt lassen wir den Zweiten auch spontan kommen, woraufhin mein Mann, die Hebamme und mein LA sagten, dass ein Kaiserschnitt gemacht werden muss. Der OA meinte nur: Nein, der kommt spontan und versuchte die Herrztöne zu finden, was ihm aber nicht gelang und dann ging alles ganz schnell. Er zog am Bett und riss mir dabei halb meine Kanüle aus den Armen. Alle schrien ihn an "Sie machen alles nur noch schlimmer", aber das beeindruckte ihn nicht. Ich wurde in den Aufzug geschoben, wurde in den OP gafahren und als ich langsam wieder wach wurde, meinte der OA: Ihr erstes Kind ist verstorben, ihr zweites liegt im Brutkastnen auf der Intensivstation und dann ging er. Ich war soooo leer. Ich konnte noch nicht mal weinen. Als die Hebamme dann meinte, ob ich Joshua sehen wolle, sagte ich "ja" und bekam ihn - in einem Handtuch gewickelt - gebracht. Mein Mann, meine Schwiegermutter und mein LA waren auch da. Ich hielt ihn mindestens 2 Stunden in meinen Armen um mich zu verabscheiden. Auch da kamen keine Tränen, da ich ja für Jonathan seinen kleinen Zweillignsbruder tapfer sein musste. Wir haben noch eine Priester kommen lassen, der Joshua taufen sollte, was leider bei einen toten Menschen nicht möglich ist. So ließen wir ihn nur segnen. Ich habe dann irgendwann Joshua meinem Mann und meiner Schwiegermutter zum Abschied nehmen gegeben und bekam ihn dann wieder, so dass beide rauf zu Jonathan in die Intensivstation gehen konnten. Ich bin froh, dass ich Joshua noch lebend gesehen habe, auch wenn es nur sehr kurz war. Er wurde am 19.07.2009 mit 710 Gramm geboren und durfte nur eine halbe Stunde leben. Jetzt wo sich der Geburtstag nähert, kommt alles weider hoch und ich musste es mir von der Seele schreiben. Jonathan geht es gut. Er hatte bei der Geburt 800 Gramm und ist mittlerweile stolze 7 kg schwer. Ich weiß, dass ich überglücklich sein sollte, ein gesundes Kind zu haben, aber es tut so weh, dass Joshua nicht bei uns sein darf. Danke, dass es so ein Forum gibt.
Andrea mit dem kleine Prinzen Joshua ganz fest im Herzen und Jonathan ganz fest an der Hand
Andrea75
 
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